Du bist nicht zu spät dran

photocredits: Jasmin Ziegler

Hunde lernen ein Leben lang

„Er muss aber in drei Wochen alleine bleiben können.“
„Wir haben bald Urlaub,  bis dahin muss das sitzen.“
„Mit einem Jahr sollte das doch längst funktionieren.“

Sätze wie diese höre ich im Hundetraining immer wieder. Und jedes Mal denke ich: Wer hat eigentlich beschlossen, dass Lernen einen festen Zeitplan haben muss?

Wir leben in einer Welt, in der alles möglichst schnell gehen soll. Doch Hunde lesen keine Kalender. Sie wissen nicht, dass der Urlaub naht oder die Nachbarn Druck machen. Sie lernen in ihrem eigenen Tempo – und genau das dürfen sie auch.

Entwicklung braucht Zeit

Das Schöne ist: Hunde können ihr Leben lang lernen. Natürlich gibt es sensible Phasen, in denen bestimmte Erfahrungen besonders prägend sind. Aber das bedeutet nicht, dass danach keine Veränderung mehr möglich ist.

In meinen Coachings sehe ich immer wieder, dass Veränderung nicht an einem bestimmten Alter scheitert. Oft braucht es einfach Zeit, Geduld und den Mut, den eigenen Weg zu gehen statt sich von Erwartungen oder Vergleichen unter Druck setzen zu lassen. Denn Fortschritt verläuft selten geradlinig. Es gibt gute Tage, schlechte Tage und manchmal fühlt es sich an, als würde man auf der Stelle treten. Das gehört dazu.

Deshalb bin ich auch kein Fan davon, sich starre Ziele zu setzen wie: „In zwei Wochen muss der Rückruf perfekt sein“ oder „Bis zum Sommer darf mein Hund nicht mehr bellen.“ Solcher Druck hilft weder dem Menschen noch dem Hund.

Vergleiche sind der größte Motivationskiller

Vielleicht kennst du das auch: Der Hund aus der Nachbarschaft bleibt schon problemlos alleine, läuft ohne Leine oder ignoriert jede Ablenkung. Und plötzlich fragst du dich, warum dein eigener Hund das noch nicht kann. Die Antwort ist einfach: Weil er nicht der Hund aus der Nachbarschaft ist.

Jeder Hund bringt andere Erfahrungen, andere Voraussetzungen und ein anderes Lerntempo mit. Manche Dinge gelingen schnell, andere brauchen Wochen oder Monate. Das sagt nichts über eure Beziehung aus – und schon gar nichts darüber, ob ihr auf dem richtigen Weg seid.

Deshalb lohnt es sich, den Blick weg von anderen und hin zum eigenen Fortschritt zu richten. Manchmal ist der größte Erfolg nicht der perfekte Rückruf, sondern die Tatsache, dass dein Hund heute ein bisschen gelassener geblieben ist als gestern.

Manchmal ist die beste Übung eine Pause

Was viele unterschätzen: Lernen findet nicht nur während des Trainings statt. Es passiert auch danach. Während dein Hund schläft, Eindrücke verarbeitet oder einfach einen ruhigen Spaziergang genießt. Genau wie wir Menschen brauchen Hunde Zeit, um Neues einzuordnen und Erfahrungen zu verarbeiten. Wer jeden Tag neue Übungen draufpackt, nimmt sich manchmal genau diese Chance.

Deshalb gehört für mich auch das Nichtstun zum Training. Eine Pause ist kein Rückschritt. Sie kann genau das sein, was dein Hund gerade braucht.

Am Ende geht es nicht darum, wer am schnellsten ans Ziel kommt. Es geht darum, dass ihr gemeinsam einen Weg findet, der sich gut anfühlt! Ohne Zeitdruck, ohne Perfektionsanspruch und ohne den ständigen Vergleich mit anderen. Denn die schönsten Entwicklungen entstehen oft dann, wenn wir aufhören, auf die Uhr zu schauen.


Nach oben scrollen