KRAWALLKRALLEN BLOG
Du bist nicht zu spät dran

photocredits: Jasmin Ziegler
Hunde lernen ein Leben lang
„Er muss aber in drei Wochen alleine bleiben können.“
„Wir haben bald Urlaub, bis dahin muss das sitzen.“
„Mit einem Jahr sollte das doch längst funktionieren.“
Sätze wie diese höre ich im Hundetraining immer wieder. Und jedes Mal denke ich: Wer hat eigentlich beschlossen, dass Lernen einen festen Zeitplan haben muss?
Wir leben in einer Welt, in der alles möglichst schnell gehen soll. Doch Hunde lesen keine Kalender. Sie wissen nicht, dass der Urlaub naht oder die Nachbarn Druck machen. Sie lernen in ihrem eigenen Tempo – und genau das dürfen sie auch.
Entwicklung braucht Zeit
Das Schöne ist: Hunde können ihr Leben lang lernen. Natürlich gibt es sensible Phasen, in denen bestimmte Erfahrungen besonders prägend sind. Aber das bedeutet nicht, dass danach keine Veränderung mehr möglich ist.
In meinen Coachings sehe ich immer wieder, dass Veränderung nicht an einem bestimmten Alter scheitert. Oft braucht es einfach Zeit, Geduld und den Mut, den eigenen Weg zu gehen statt sich von Erwartungen oder Vergleichen unter Druck setzen zu lassen. Denn Fortschritt verläuft selten geradlinig. Es gibt gute Tage, schlechte Tage und manchmal fühlt es sich an, als würde man auf der Stelle treten. Das gehört dazu.
Deshalb bin ich auch kein Fan davon, sich starre Ziele zu setzen wie: „In zwei Wochen muss der Rückruf perfekt sein“ oder „Bis zum Sommer darf mein Hund nicht mehr bellen.“ Solcher Druck hilft weder dem Menschen noch dem Hund.
Vergleiche sind der größte Motivationskiller
Vielleicht kennst du das auch: Der Hund aus der Nachbarschaft bleibt schon problemlos alleine, läuft ohne Leine oder ignoriert jede Ablenkung. Und plötzlich fragst du dich, warum dein eigener Hund das noch nicht kann. Die Antwort ist einfach: Weil er nicht der Hund aus der Nachbarschaft ist.
Jeder Hund bringt andere Erfahrungen, andere Voraussetzungen und ein anderes Lerntempo mit. Manche Dinge gelingen schnell, andere brauchen Wochen oder Monate. Das sagt nichts über eure Beziehung aus – und schon gar nichts darüber, ob ihr auf dem richtigen Weg seid.
Deshalb lohnt es sich, den Blick weg von anderen und hin zum eigenen Fortschritt zu richten. Manchmal ist der größte Erfolg nicht der perfekte Rückruf, sondern die Tatsache, dass dein Hund heute ein bisschen gelassener geblieben ist als gestern.
Manchmal ist die beste Übung eine Pause
Was viele unterschätzen: Lernen findet nicht nur während des Trainings statt. Es passiert auch danach. Während dein Hund schläft, Eindrücke verarbeitet oder einfach einen ruhigen Spaziergang genießt. Genau wie wir Menschen brauchen Hunde Zeit, um Neues einzuordnen und Erfahrungen zu verarbeiten. Wer jeden Tag neue Übungen draufpackt, nimmt sich manchmal genau diese Chance.
Deshalb gehört für mich auch das Nichtstun zum Training. Eine Pause ist kein Rückschritt. Sie kann genau das sein, was dein Hund gerade braucht.
Am Ende geht es nicht darum, wer am schnellsten ans Ziel kommt. Es geht darum, dass ihr gemeinsam einen Weg findet, der sich gut anfühlt! Ohne Zeitdruck, ohne Perfektionsanspruch und ohne den ständigen Vergleich mit anderen. Denn die schönsten Entwicklungen entstehen oft dann, wenn wir aufhören, auf die Uhr zu schauen.
Bedürfnisse sind keine Nebensache

photocredits: Jasmin Ziegler
Hungrig? Müde? Musst du mal?
Hand aufs Herz: Wie gut kannst du dich konzentrieren, wenn du seit Stunden nichts gegessen hast, dringend auf die Toilette musst oder völlig übermüdet bist? Wahrscheinlich gar nicht. Warum erwarten wir dann manchmal genau das von unseren Hunden?
Im Hundetraining geht’s oft um Leinenführigkeit, Rückruf oder Hundebegegnungen. Was dabei leicht vergessen wird: Bevor wir an Verhalten arbeiten, sollten wir einen Blick auf die Grundbedürfnisse werfen. Denn ein Hund, der Hunger hat, müde ist oder sich dringend lösen muss, wird kaum seine beste Leistung zeigen.
Geht es meinem Hund gerade eigentlich gut?
Für mich beginnt gutes Hundetraining nicht mit einem Kommando, sondern mit einer einfachen Frage: Hat er ausreichend geschlafen? Hatte er die Möglichkeit, sich in Ruhe zu lösen? Ist er satt? Hat er Zeit gehabt, Eindrücke zu verarbeiten oder hetzen wir gerade von einem Termin zum nächsten?
Diese scheinbar kleinen Dinge machen im Alltag oft einen riesigen Unterschied.
Denn wer sich sicher sein kann, dass seine Bedürfnisse wahrgenommen werden, kann sich entspannen. Das gilt für uns Menschen genauso wie für unsere Hunde.
Vertrauen beginnt bei den kleinen Dingen
Stell dir vor, du wärst mit einer anderen Person unterwegs und müsstest ständig hoffen, dass sie irgendwann merkt, dass du Hunger hast oder dringend eine Pause brauchst. Nicht besonders angenehm, oder?
Unsere Hunde können uns das nicht in Worten sagen. Sie sind darauf angewiesen, dass wir aufmerksam sind und Verantwortung übernehmen.
Genau darin steckt für mich auch ein wichtiger Teil von Vertrauen: Mein Hund darf sich darauf verlassen, dass ich seine Bedürfnisse im Blick habe!
Das bedeutet nicht, jeden Wunsch sofort zu erfüllen. Aber es bedeutet, die Grundlagen für einen entspannten Alltag zu schaffen. Und manchmal ist die Lösung für ein vermeintliches Trainingsproblem erstaunlich einfach: Vielleicht braucht dein Hund in diesem Moment kein neues Signal. Vielleicht braucht er einfach nur Schlaf. Oder eine Pipipause.
Ich wollte doch nur einen Welpen

photocredits: Jasmin Ziegler
Warum ich Hundetrainerin geworden bin
Wenn mir vor ein paar Jahren jemand gesagt hätte, dass ich einmal Hundetrainerin werde, hätte ich ihn wahrscheinlich ausgelacht. Denn ich wollte doch einfach nur einen Welpen…
Mit meiner ersten Hündin Beba hatte ich unfassbares Glück: sie war ruhig, genügsam und immer an meiner Seite. Ehrlich gesagt hat sie nie einen Hundeplatz gesehen, und ich hatte damals auch nicht besonders viel Ahnung von Hundetraining. Trotzdem lief alles erstaunlich harmonisch. Heute weiß ich: Das lag nicht an meinem Talent, das lag an Beba. Sie war ein Hund, der mir unglaublich viel verziehen hat. Ein echter Anfängerhund, der mich glauben ließ, Hundeerziehung sei eigentlich gar keine große Sache.
Und dann zog Älva ein. Unser Wildschwein auf Speed.
Plötzlich war alles anders
Diese kleine Walnussbirne hatte zu allem eine Meinung, war blitzschnell unterwegs und brachte uns regelmäßig an unsere Grenzen. Auf einmal funktionierten all die Dinge nicht mehr, von denen ich dachte, sie müssten einfach so klappen. Ich musste umdenken, beobachten und vor allem akzeptieren, dass jeder Hund seine ganz eigene Persönlichkeit mitbringt. Es gab Tage, da hätte ich Älva am liebsten gegen einen Goldfisch getauscht!
Aus einem schwierigen Start wurde eine Leidenschaft
Je mehr ich mich mit Verhalten, Lernen und Kommunikation beschäftigte, desto klarer wurde mir: Mich interessiert nicht nur, wie man etwas trainiert. Mich interessiert vor allem, warum ein Hund sich so verhält, wie er sich verhält.
Warum fällt dem einen Hund das Alleinbleiben schwer? Warum rastet der andere bei Hundebegegnungen aus? Warum wirkt ein Welpe manchmal wie ein kleines Duracell-Häschen auf vier Pfoten und kommt einfach nicht zur Ruhe? Mit jeder Antwort wuchs meine Begeisterung für das Thema, und irgendwann auch der Wunsch, dieses Wissen weiterzugeben.
Deshalb gibt es Krawallkrallen
Heute begleite ich Mensch-Hund-Teams so, wie ich es mir damals selbst gewünscht hätte: alltagsnah, individuell und mit Blick auf das große Ganze.
Gerade in der Welpen- und Junghundezeit tauchen oft unzählige Fragen auf. Deshalb gehört für mich auch die Begleitung zwischen den Terminen dazu, zum Beispiel per WhatsApp. Denn manchmal reicht eine kurze Rückmeldung, um Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen und den nächsten Schritt mit einem guten Gefühl zu gehen.
Neben meinem Beruf als Designerin ist das Hundetraining zu einer echten Herzensangelegenheit geworden. Es erfüllt mich jedes Mal aufs Neue, wenn Menschen anfangen, ihren Hund wirklich zu verstehen und merken, dass aus Chaos Schritt für Schritt Vertrauen werden kann.
Wenn ich heute Älva anschaue, bin ich vor allem eines: dankbar. Denn eigentlich wollte ich nur einen Welpen. Bekommen habe ich eine Hündin, die mich auf Umwegen zu meinem Herzensberuf geführt hat. Ohne sie gäbe es Krawallkrallen wahrscheinlich gar nicht.
Vertrauen fällt nicht vom Himmel

photocredits: Jasmin Ziegler
Warum Vertrauen wichtiger ist als Perfektion
Es gibt Momente, in denen ich mit meinen Pferden unterwegs bin, Älva neben uns läuft und ich einfach nur denke: Wie schön ist es eigentlich, sich aufeinander verlassen zu können?
Nicht, weil immer alles perfekt läuft. Nicht, weil nie etwas Unerwartetes passiert. Sondern weil wir gemeinsam gelernt haben, schwierige Situationen zu meistern. Und genau das ist für mich die Essenz von Vertrauen.
Vertrauen entsteht im Alltag
Viele Menschen glauben, Vertrauen sei einfach da – oder eben nicht. Ich sehe das anders.
Vertrauen wächst in den kleinen Momenten. Wenn dein Hund erlebt, dass du ihn sicher durch eine Hundebegegnung führst. Wenn dein Pferd merkt, dass du vorausschauend handelst und ihm keine unnötigen Risiken zumutest. Wenn bekannte Abläufe, klare Signale und ruhige Entscheidungen Orientierung geben.
Dabei spielen auch Konditionierungen eine wichtige Rolle. Ein vertrautes Wort, ein eingeübtes Ritual oder ein Signal, das immer die gleiche Bedeutung hat, können in aufregenden Situationen unglaublich viel Sicherheit vermitteln. Nicht, weil unsere Tiere zu Robotern werden sollen, sondern weil Vorhersehbarkeit entspannt.
Das größte Geschenk ist Verlässlichkeit
Ob Hund oder Pferd: Beide sind darauf angewiesen, dass wir Verantwortung übernehmen. Sie lesen unsere Körpersprache, unsere Stimmung und unsere Entscheidungen oft schneller, als wir selbst.
Für mich bedeutet gutes Training deshalb weit mehr als Sitz, Platz oder Rückruf. Es bedeutet, jeden Tag ein Stück Vertrauen aufzubauen. Durch Konsequenz. Durch Klarheit. Und durch das Versprechen: Ich passe auf dich auf! Denn genau dieses Vertrauen zeigt sich nicht an einem ruhigen Sonntagnachmittag.
Es zeigt sich dann, wenn plötzlich ein Reh aus dem Gebüsch springt, ein Fahrrad um die Ecke schießt oder etwas völlig Unerwartetes passiert – und dein Hund oder dein Pferd trotzdem den Blick zu dir sucht. Vertrauen fällt nicht vom Himmel. Es entsteht auf jedem gemeinsamen Meter, den wir miteinander gehen.
Training beginnt vor der Haustüre

photocredits: Jasmin Ziegler
Dein Alltag hat keinen Hundeplatz
Ich werde oft gefragt, warum ich ausschließlich Einzelcoachings anbiete und keine klassischen Gruppenstunden auf dem Hundeplatz. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Weil dein Alltag keinen Hundeplatz hat!
Versteh mich nicht falsch – Gruppentraining kann großartig sein. Es bietet kontrollierte Bedingungen, soziale Kontakte und die Möglichkeit, bestimmte Übungen gemeinsam zu trainieren. Für viele Mensch-Hund-Teams ist das eine wertvolle Erfahrung. Aber die Herausforderungen, mit denen meine Kundinnen und Kunden zu mir kommen, passieren meistens woanders.
Der Hund zieht nicht auf dem Hundeplatz an der Leine, sondern auf dem Weg zum Bäcker. Er pöbelt nicht zwischen Hütchen und Pylonen, sondern an der engen Ecke im Wohngebiet. Er springt Besuch an der eigenen Haustür an, reagiert auf Jogger im Wald oder verliert auf dem Lieblingsspaziergang komplett den Fokus. Genau deshalb trainiere ich dort, wo das Leben stattfindet.
Maßgeschneidert statt nach Stundenplan
Jedes Mensch-Hund-Team bringt seine eigene Geschichte mit: andere Erfahrungen, andere Routinen, andere Herausforderungen. Im Einzelcoaching muss sich niemand an das Tempo einer Gruppe anpassen oder Übungen machen, die gerade gar nicht relevant sind.
Wir schauen uns genau die Situationen an, die euch im Alltag beschäftigen. Manchmal ist das eine Hundebegegnung, manchmal die Begrüßung von Besuch. Und manchmal stellen wir fest, dass das eigentliche Problem ganz woanders liegt.
Denn gutes Hundetraining bedeutet für mich nicht, dass ein Hund auf Kommando perfekt „Sitz“ macht. Es bedeutet, dass ihr euren Alltag entspannter meistert. Dass ihr euch gegenseitig versteht und aufeinander verlassen könnt. Und genau deshalb findet mein Training nicht hinter einem Zaun statt. Sondern dort, wo ihr jeden Tag gemeinsam unterwegs seid.
Verhalten verstehen statt nur verändern
Oft geht es eben nicht nur um die Hundebegegnung oder das Ziehen an der Leine. Vielleicht spielt der Alltag eine Rolle. Vielleicht fehlt Orientierung, Ruhe oder Vorhersehbarkeit. Vielleicht sind es kleine Routinen, die sich über die Zeit eingeschlichen haben und das Verhalten unbewusst beeinflussen.
Mir ist wichtig, das große Ganze im Blick zu behalten. Denn wer seinen Hund versteht, trifft im Alltag andere Entscheidungen – und genau dort entsteht langfristige Veränderung.
Ruhe will gelernt sein

photocredits: Jasmin Ziegler
Muss wirklich immer noch mehr Auslastung her?
Es gibt Sätze, die höre ich im Hundetraining so häufig, dass ich manchmal schon ahne, was als Nächstes kommt: „Der ist eigentlich total lieb, aber er kommt einfach nicht zur Ruhe.“ Und fast genauso häufig folgt direkt die Vermutung hinterher: „Vielleicht ist er einfach nicht genug ausgelastet?“
Ehrlich gesagt finde ich diesen Gedanken ziemlich nachvollziehbar. Schließlich leben wir in einer Welt, in der auf nahezu jedes Problem erst einmal mit „mehr“ reagiert wird. Mehr Bewegung, mehr Beschäftigung, mehr Training, mehr Input. Wenn der Hund unruhig wirkt, bekommt er einen längeren Spaziergang. Wenn das nicht reicht, vielleicht ein Suchspiel. Dann noch ein bisschen Nasenarbeit. Vielleicht Hundesport. Irgendetwas wird schon helfen. Und manchmal tut es das sogar. Meistens sitzt das Problem aber auch ganz woanders!
Ich erlebe immer wieder Hunde, die einen Kalender haben, von dem ich persönlich vermutlich nach drei Tagen erschöpft wäre. Sie gehen spazieren, treffen Artgenossen, fahren mit ins Café, begleiten ihre Menschen in den Urlaub, lernen neue Tricks, besuchen Kurse und sammeln täglich neue Eindrücke. Das alles ist gut gemeint und oft auch schön. Trotzdem stehen genau diese Hunde oft dauerhaft unter Strom.
Sie schlafen zwar, aber sie entspannen nicht wirklich, denn sie haben ein Ohr im Flur, eins an der Wohnungstür und ein Drittes irgendwo bei den Nachbarn im Treppenhaus!
Zwischen Wachsamkeit und Verantwortung
Wenn ich genauer hinschaue, fällt mir bei vielen dieser Hunde etwas auf: Sie scheinen permanent zuständig zu sein: für jedes Geräusch vor der Haustür, für Besucher und für Bewegungen vor dem Fenster. Zuständig für den Hund auf der anderen Straßenseite….einfach zuständig für alles, was sich verändert, bewegt oder verdächtig aussieht. Und ganz ehrlich: Das ist anstrengend!
Manchmal frage ich mich, ob wir Menschen überhaupt merken, wie viel Verantwortung manche Hunde im Alltag übernehmen. Nicht weil wir ihnen diese Aufgabe bewusst übertragen hätten, sondern weil sie irgendwann beschlossen haben, dass offenbar niemand sonst den Laden im Blick behält.
Während wir gemütlich auf dem Sofa sitzen und durch unser Handy scrollen, führt der Hund möglicherweise bereits die dritte Sicherheitskontrolle des Abends durch. Kein Wunder also, dass es manchen schwerfällt, abzuschalten.
Ruhe ist nicht das Gegenteil von Aktivität
Was mir im Training immer wieder begegnet, ist die Vorstellung, Ruhe entstehe automatisch, wenn ein Hund nur müde genug ist. Das klingt zunächst logisch – wer viel macht, wird irgendwann erschöpft und schläft. Das Problem dabei: Erschöpfung ist nicht dasselbe wie Entspannung!
Jeder Mensch kennt vermutlich diese Tage, an denen man todmüde ins Bett fällt und trotzdem nicht wirklich herunterkommt. Der Körper ist müde, der Kopf aber noch lange nicht. Bei Hunden kann das ganz ähnlich aussehen.
Ein Hund, der ständig unter Strom steht, wird nicht automatisch gelassener, nur weil wir noch mehr Programm in seinen Tag packen. Manchmal passiert sogar das Gegenteil. Je mehr los ist, desto schwerer fällt es ihm, wieder herunterzufahren.
Deshalb interessiert mich im Training oft weniger die Frage, was ein Hund alles macht. Mich interessiert vielmehr, ob er gelernt hat, nichts zu machen.
Und erstaunlicherweise ist genau das für viele Hunde die deutlich schwierigere Übung.
Die Kunst, einfach mal nichts zu tun
Vielleicht ist das einer der unspektakulärsten Aspekte im Hundetraining. Er verkauft sich zumindest deutlich schlechter als spektakuläre Vorher-Nachher-Geschichten oder die fünf besten Tipps für entspannte Hundebegegnungen.
Aber ich glaube tatsächlich, dass viele Hunde davon profitieren würden, wenn wir dem Nichtstun wieder etwas mehr Bedeutung geben. Nicht als Trainingsmethode. Nicht als neues Projekt. Nicht als weitere Aufgabe auf der To-do-Liste. Sondern einfach als Zustand!
Ein Spaziergang muss nicht immer ein Abenteuer sein. Ein Nachmittag muss nicht vollständig verplant werden. Und ein Hund muss nicht jede Minute seines Lebens produktiv nutzen. Manchmal besteht echte Auslastung vielleicht sogar darin, sich sicher genug zu fühlen, um einfach loszulassen. Und genau dort beginnt für mich Ruhe. Nicht beim nächsten Beschäftigungsspiel. Nicht beim nächsten Trainingsplan. Sondern in dem Moment, in dem ein Hund merkt, dass er gerade nichts regeln, nichts beobachten und nichts leisten muss. Einfach nur Hund sein reicht manchmal völlig aus.
Der letzte Liebesbeweis

photocredits: Jasmin Ziegler
Der schwerste Teil eines Hundelebens
Wenn wir einen Hund in unser Leben holen, denken wir an gemeinsame Spaziergänge, Abenteuer und viele schöne Momente, die vor uns liegen. Wir denken an die ersten Wochen, an Training, an Ausflüge und daran, wie dieser kleine oder große Vierbeiner langsam seinen Platz in unserem Alltag findet. Worüber wir deutlich seltener nachdenken, ist der Tag, an dem wir vielleicht eine der schwersten Entscheidungen unseres Lebens treffen müssen. Die Entscheidung, unseren Hund gehen zu lassen.
Vor fünf Jahren musste ich genau diese Entscheidung treffen. Für meine Hündin Beba.
Beba kam als Tierschutzhund aus Spanien zu uns. Damals wusste ich über Hunde noch längst nicht so viel wie heute. Ich habe Fehler gemacht und Situationen komplett falsch eingeschätzt. Aber Beba war einer dieser Hunde, die einem alles verzeihen. Sie war vorsichtig, genügsam und immer freundlich. Nie fordernd, nie laut, nie dramatisch. Sie war einfach da. Auf eine ruhige und selbstverständliche Art, die man oft erst dann richtig zu schätzen weiß, wenn sie fehlt. Sie war sich selbst genug, begegnete ihrer Umwelt mit Bedacht und hat mir vermutlich mehr über Hunde beigebracht, als ich ihr jemals hätte beibringen können.
Als die Vergangenheit uns einholte
Was wir damals nicht wussten: Beba hatte eine Mittelmeererkrankung im Gepäck: Leishmaniose. Vor ihrer Einreise wurde sie getestet und das Ergebnis war negativ. Nach ihrer Ankunft in Deutschland wurde erneut getestet – wieder negativ. Für uns war das Thema damit erledigt. Sieben Jahre lang lebte Beba ein ganz normales Hundeleben. Sie wanderte mit uns durch die Berge, begleitete uns durch den Alltag und war einfach unser Hund. Bis die Krankheit plötzlich ausbrach.
Das Heimtückische an Leishmaniose ist, dass sie oft viele Jahre unbemerkt bleiben kann. Hunde können völlig symptomfrei leben, während die Erkrankung im Verborgenen bereits ihren Weg geht. Als wir bemerkten, dass etwas nicht stimmte, waren in Bebas Fall bereits die Nieren betroffen. Von einem Tag auf den anderen veränderte sich unser Alltag: Tierarztbesuche, Blutwerte, Medikamente, Hoffnungen und Rückschläge wurden Teil unseres Lebens.
Es folgten zwei Jahre, in denen wir immer wieder um ihre Lebensqualität kämpften. Zwei Jahre voller Sorgen, aber auch voller schöner Momente. Denn bei aller Krankheit gab es sie weiterhin: die Wanderungen, die guten Tage, die gemeinsamen Stunden und diese kleinen Augenblicke, in denen man fast vergaß, wie ernst die Situation eigentlich war. Deshalb werde ich niemals sagen, dass sich diese Zeit nicht gelohnt hat. Im Gegenteil. Diese zwei Jahre waren ein Geschenk. Sie haben uns zusätzliche Erinnerungen geschenkt, zusätzliche Berggipfel, zusätzliche Sonnenaufgänge und zusätzliche Zeit miteinander.
Irgendwann kam jedoch der Moment, an dem wir merkten, dass unsere gemeinsame Reise sich dem Ende näherte. Es gab keinen dramatischen Wendepunkt, keine große Szene. Es war vielmehr ein stilles Verstehen. Wer einen Hund viele Jahre begleitet, lernt irgendwann, ihn zu lesen. Und manchmal sagt ein Hund mehr, ohne auch nur ein Geräusch von sich zu geben.
Die letzte Verantwortung
Mein Mann und ich hatten uns immer wieder Gedanken darüber gemacht, wie dieser Tag aussehen sollte. Wir wussten, dass wir Beba niemals unnötig leiden lassen wollten. Wir wussten, dass wir Verantwortung übernehmen würden, wenn der Zeitpunkt gekommen war. Und trotzdem kann einen nichts wirklich auf diese Entscheidung vorbereiten.
Beba durfte zuhause gehen. In ihrer vertrauten Umgebung. Ohne Hektik, ohne Praxisstress, ohne fremde Gerüche. Sie war dort, wo sie hingehörte. Bei uns. Es war friedlich. Und gleichzeitig einer der schwersten Tage unseres Lebens.
Manchmal werde ich gefragt, woran man erkennt, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Die ehrliche Antwort lautet: Es gibt selten absolute Gewissheit. Es gibt keine perfekte Formel und keinen magischen Moment, der alle Zweifel verschwinden lässt. Was es gibt, ist Verantwortung. Und manchmal bedeutet Liebe nicht, noch länger festzuhalten. Manchmal bedeutet Liebe, loszulassen.
Wer sich für einen Hund entscheidet, übernimmt Verantwortung für sein gesamtes Leben. Für die schönen Tage genauso wie für die schwierigen. Für Erziehung, Krankheit, Pflege und Fürsorge. Und irgendwann vielleicht auch für den Abschied. Das gehört zu einem Hundeleben dazu, auch wenn wir diesen Gedanken am liebsten verdrängen würden.
Heute, fünf Jahre später, kämpfe ich immer noch mit den Tränen, wenn ich über Beba spreche. Nicht, weil ich die Entscheidung bereue, sondern weil sie mir fehlt. Und gleichzeitig bin ich unendlich dankbar: für den gemeinsamen Weg, für ihre Geduld, ihre Sanftheit und ihre Stärke. Dankbar für alles, was sie mich über Hunde gelehrt hat – und über Verantwortung, Liebe und Loslassen.
Wenn du einen Hund aus dem Tierschutz adoptierst, informiere dich frühzeitig über mögliche Mittelmeerkrankheiten wie Leishmaniose. Ein negativer Test direkt nach der Einreise bedeutet leider nicht immer, dass eine Erkrankung dauerhaft ausgeschlossen werden kann.
Dein Hund ist ständig on fire?!

photocredits: Jasmin Ziegler
Was dein Alltag mit dem Verhalten deines Hundes zu tun hat
Viele Menschen kommen zu mir, weil sie ein ganz bestimmtes Problem mit ihrem Hund haben: Der Hund zieht an der Leine, er reagiert auf andere Hunde, kommt nicht zur Ruhe oder hört draußen nicht zu…und natürlich schauen wir uns genau dieses Verhalten an. Aber meistens dauert es nicht lange, bis wir über etwas ganz anderes sprechen: über den Alltag! Darüber, wie der Tag des Hundes aussieht, wie viel Ruhe er bekommt, wie Spaziergänge gestaltet werden, wie oft Erwartungen an ihn gestellt werden. Wie viel Zeit ihm bleibt, einfach Hund zu sein. Denn Verhalten entsteht selten isoliert!
Verhalten ist immer Teil eines Systems
Ein Hund reagiert nicht einfach so auf andere Hunde. Er ist nicht grundlos ständig aufgeregt. Und er entscheidet sich auch nicht morgens beim Aufstehen, heute besonders anstrengend zu sein. Verhalten hat immer einen Kontext. Deshalb interessieren mich im Training oft die Dinge, die auf den ersten Blick gar nichts mit dem eigentlichen Problem zu tun haben.
Wie sieht der Tagesablauf aus? Wie viel Schlaf bekommt der Hund tatsächlich? Wie viel Action erlebt er jeden Tag? Gibt es ausreichend Möglichkeiten, herunterzufahren? Wie viel Orientierung bekommt er von seinem Menschen? Manchmal sind es genau diese kleinen Stellschrauben, die einen großen Unterschied machen. Nicht, weil es die eine magische Lösung gibt. Sondern weil sich Verhalten aus vielen Puzzleteilen zusammensetzt.
Training findet nicht nur in der Trainingsstunde statt
Natürlich kann klassisches Hundetraining helfen, und manchmal braucht es auch gezielte Übungen. Aber die eigentliche Trainingsstunde findet nicht während meines Coachings statt – sie findet zuhause statt, im ganz normalen Alltag. In den Routinen, die wir schaffen. In den Entscheidungen, die wir treffen. In der Art und Weise, wie wir unseren Hund durch die Welt begleiten.
Der Blick auf das große Ganze
Deshalb schaue ich im Training nie nur auf das Problemverhalten, mich interessiert immer das große Ganze! Denn wenn wir verstehen, warum ein Hund sich verhält, wie er sich verhält, entstehen oft ganz neue Möglichkeiten, ihn sicherer und entspannter durch den Alltag zu führen.
Wer entscheidet eigentlich?

photocredits: Jasmin Ziegler
Stell dir vor, dein Hund führt eine imaginäre Strichliste…
Nicht auf Papier natürlich – aber irgendwo in seiner Walnussbirne existiert sie ganz bestimmt. Links steht dein Name. Rechts der deines Hundes. Und jedes Mal, wenn im Alltag eine Entscheidung getroffen werden muss, bekommt jemand einen Strich.
Klingt erstmal lustig. Ist aber tatsächlich ziemlich wichtig für euer Zusammenleben, denn viele Hunde sammeln im Alltag viel zu viele Striche auf ihrer eigenen Seite der Liste. Nicht, weil sie „dominant“ sind oder die Weltherrschaft übernehmen wollen, sondern weil sie irgendwann das Gefühl bekommen, dass sie die Verantwortung selbst tragen müssen.
Und ganz ehrlich: Die meisten Hunde sind gar nicht scharf auf diesen Job.
Zu viele Entscheidungen machen Stress
Wir Menschen vergessen oft, wie anstrengend Verantwortung eigentlich ist: immer aufmerksam sein, alles beobachten, Situationen einschätzen, reagieren, kontrollieren – das macht auf Dauer müde. Nicht nur uns, sondern auch unsere Hunde. Wenn ein Hund ständig das Gefühl hat, er muss alles selbst regeln, zum Beispiel:
- ob Gefahr droht,
- wer besser auf Abstand bleiben sollte
- ob eine Situation sicher ist
- ob der andere Hund nett oder eben nicht nett ist
- ob Frauchen oder Herrchen gerade überhaupt den Überblick haben…
dann bleibt sein Nervensystem dauerhaft auf Empfang!
Viele Hunde wirken dann „überdreht“, schnell gereizt oder ständig angespannt. Manche fangen an zu kontrollieren, andere reagieren laut, manche ziehen Entscheidungen einfach komplett an sich. Nicht aus Machtgehabe, sondern weil irgendwo das Gefühl entstanden ist: „Okay, wenn hier keiner Verantwortung übernimmt, dann eben ich.“ Und das macht sich oft genau in den typischen Alltagsthemen bemerkbar:
Leinenpöbeln, ständiges Beobachten, Unsicherheit draußen, Überreaktionen bei Begegnungen oder ein permanentes Kontrollieren von allem und jedem.
Verantwortung bedeutet Sicherheit
In der Hundewelt geht es unglaublich viel um Klarheit und Verantwortlichkeiten. Nicht im Sinne von Drill oder harter Führung, sondern im Sinne von: Wer kümmert sich eigentlich worum?
Ein entspannter Hund muss nicht alles selbst entscheiden. Er darf sich orientieren. Er darf Verantwortung abgeben. Genau das schafft oft erst echte Ruhe.
Dabei geht es nicht darum, dem Hund jede Kleinigkeit abzunehmen. Er darf selbstverständlich schnüffeln, entdecken, Bedürfnisse äußern und eigene Ideen haben. Es geht nicht um Kontrolle bis ins letzte Detail. Aber die großen Entscheidungen sollten bei uns liegen!
Vielleicht braucht dein Hund nicht mehr Training, sondern weniger Verantwortung!
Manchmal versuchen wir, Verhalten mit noch mehr Kommandos, Korrekturen oder Beschäftigung zu lösen, obwohl der Hund eigentlich etwas ganz anderes braucht: Entlastung: Weniger selbst regeln müssen. Weniger Verantwortung tragen. Weniger das Gefühl haben, ständig auf alles reagieren zu müssen.
Vielleicht lohnt es sich also, im Alltag mal auf diese imaginäre Strichliste zu schauen und sich ehrlich zu fragen: Wie viele Entscheidungen trägt mein Hund eigentlich jeden Tag? Unsere Seite der Strichliste sollte dabei immer ein bisschen voller sein als die unseres Hundes – nicht aus Kontrolle, sondern weil genau darin Entlastung, Orientierung und echte Sicherheit für ihn entstehen. Denn manchmal beginnt echte Entspannung genau dort, wo unser Hund merkt: „Cool. Das muss ich gar nicht alleine regeln.“
Dein Hund darf anders sein

photocredits: Jasmin Ziegler
Warum dein Hund kein Vergleichsprojekt ist
Kennst du diese Momente, in denen du denkst: „Warum kann mein Hund das eigentlich nicht?“, während irgendwo im Internet ein geschniegelt sitzender Vorzeigehund ohne Leine durch die Gegend schwebt, auf ein Fingerschnippen reagiert und vermutlich nebenbei noch die Steuererklärung macht.
Und neben dir steht dein Hund. Mit einem halben Stock im Maul, drei eigenen Ideen im Kopf und der festen Überzeugung, dass „Komm her“ ein optionaler Vorschlag ist. Willkommen in der Realität!
Die Illusion vom perfekten Hund
Social Media hat ein echtes Talent dafür, uns glauben zu lassen, dass andere Hunde irgendwie… besser sind. Braver, schneller, konzentrierter. Einfach mehr „im Griff“. Was man dabei gern vergisst: Man sieht nur Ausschnitte. Perfekt gewählte Momente. Gut trainierte Situationen. Und manchmal auch einfach Hunde, die von Natur aus anders ticken. Denn Spoiler: Hunde sind keine Einheitsmodelle!
Vom Streber bis zum Chaos-Team
Es gibt Hunde, die stehen gefühlt morgens auf und denken sich: „Wie kann ich heute alles richtig machen?“
Und dann gibt es die anderen. Die mit ordentlich Wumms im Kopf. Die, bei denen jede Trainingseinheit eher nach kreativer Improvisation als nach Plan aussieht.
Manche lernen schnell. Manche gründlich. Manche gar nicht – oder zumindest nicht heute. Manche lieben Action. Andere finden das Sofa deutlich überzeugender als jede Form von Beschäftigung draußen. Und all das ist völlig normal!
Vergleichen bringt nichts (außer schlechte Laune)
Das Problem mit dem Vergleichen ist: Es macht deinen Hund nicht besser. Dich auch nicht. Es sorgt höchstens dafür, dass man anfängt, an sich oder am eigenen Hund zu zweifeln. Dabei arbeitet ihr einfach nur mit anderen Voraussetzungen. Dein Hund ist nicht schlechter, nur weil er anders ist. Er ist dein Hund! Mit seinem eigenen Tempo, seinen eigenen Stärken und ja, auch seinen ganz eigenen Spezialeffekten!
Training ist kein Baukastensystem
Und genau deshalb funktioniert auch nicht jedes Training für jeden Hund. Was bei dem einen super klappt, sorgt beim nächsten für komplettes Chaos im Kopf. Nicht, weil der Hund schwierig ist, sondern weil das Training vielleicht einfach nicht zu ihm passt. Gutes Hundetraining schaut deshalb nicht danach, was gerade angesagt ist oder bei anderen funktioniert. Sondern danach, was der eigene Hund braucht.
Fazit: Weniger vergleichen, mehr verstehen
Am Ende geht es nicht darum, dass dein Hund so wird wie ein anderer. Sondern darum, dass ihr zusammen euren Weg findet. Ohne Druck. Ohne ständiges „der andere kann aber schon…“. Dafür mit mehr Verständnis, ein bisschen Humor und der Erkenntnis, dass ein Hund mit Chaos im Kopf manchmal einfach mehr Persönlichkeit hat als jeder Streber!
Zwischen Reels und Realität

R.I.P. @krawallkrallen
Warum ich kein Insta mehr habe…
Krawallkrallen gibt’s nicht mehr auf Insta – aber nicht, weil es nicht funktioniert hat, sondern weil es mir irgendwann einfach zu blöd wurde.
Der ganze Shizzle mit dem Algorithmus: posten, sichtbar bleiben, bitte regelmäßig, bitte am besten täglich, bitte immer unterhaltsam genug, damit auch ja jemand stehen bleibt. Und wenn man das nicht macht? Dann war’s das mit der Reichweite. Ganz egal, ob man sich Mühe gibt, gute Inhalte schreibt oder wirklich sinnvolle Dinge zeigt. Und genau da bin ich irgendwann ausgestiegen.
Wenn Reichweite wichtiger wird als Inhalt
Ich hatte keine Lust mehr, mich diesem irren System anzupassen. Keine Lust, ständig zu überlegen, was gut „funktioniert“, statt was wirklich gut ist! Keine Lust, mich im Zweifel zum Affen zu machen, nur damit ein paar mehr Leute draufklicken. Ich bin Hundetrainerin, ich arbeite mit echten Hunden, nicht mit einem Algorithmus, der heute mal dies und morgen mal das gut findet.
Was mich zusätzlich nervt: diese merkwürdige Gleichung „viele Likes = guter Inhalt“. Als ob Qualität plötzlich messbar wäre in Herzchen und Views. Außerdem werden Tipps rausgehauen, die vielleicht bei genau einem Hund funktionieren – und plötzlich klingt es, als wäre das die Lösung für alle. Ohne Kontext, ohne Einordnung, schön kurz und knackig, damit es in ein Video passt. Sieht gut aus, bringt Reichweite, kann aber im Zweifel ziemlich nach hinten losgehen.
Das betrifft nicht nur Instagram, sondern genauso TikTok und YouTube. Hauptsache schnell, einfach, klickbar. Aber gutes Training ist halt weder schnell noch einfach. Und schon gar nicht pauschal.
„Ich geh nur kurz online…“ – berühmte letzte Worte
Und dann ist da noch dieser ganz banale Punkt: Zeit. Instagram frisst sie. Heimlich, still und leise. Man will nur kurz was posten – und zack, ist man wieder viel länger drin als geplant. Zeit, die mir ehrlich gesagt anderswo deutlich besser gefällt. Zum Beispiel auf meinem Blog: Da kann ich schreiben, wie ich will und was ich will. Dinge erklären, ohne sie in 30 Sekunden pressen zu müssen. Ohne Trends, ohne Druck, ohne dieses ständige Gefühl, mithalten zu müssen. Finde ich irgendwie ehrlicher.
Fazit: Weniger Algorithmus, mehr Hund
Unterm Strich war das also keine dramatische „Ich verlasse Instagram“-Entscheidung. Eher so ein: Ich hab Besseres zu tun. Zum Beispiel Hunde! Und ganz ehrlich? Die finden mich ohne Handy in der Hand auch deutlich angenehmer.
Kommunikation beginnt nicht an der Leine

photocredits: Jasmin Ziegler
Räumliches Denken: der Turbo für eure Kommunikation
Unsere Hunde sind wahre Raumkünstler: Sie lesen die Welt zu einem großen Teil über Bewegungen, Abstände und Positionen. Genau dort können wir mit ihnen in eine klare, faire und super verständliche Kommunikation einsteigen. Und zwar ohne viele Worte und Kommandos – einfach, indem wir ihren natürlichen Raumwortschatz nutzen.
Warum räumliches Arbeiten so wichtig ist
Viele Herausforderungen im Alltag entstehen, weil Hund und Mensch aneinander vorbeikommunizieren. Wenn wir anfangen räumlich zu führen, schaffen wir eine Art instinktives Vertrauen und der Hund fühlt sich gesehen, verstanden und sicher, weil wir plötzlich in einer Sprache sprechen, die er fließend beherrscht.
Hündisch sprechen – ohne Worte aber mit großer Wirkung
Räumliches Arbeiten bedeutet nicht, den Hund „rumzuschieben“, sondern mit Position, Präsenz, Körpersprache und Bewegung Grenzen, Ruhe und Orientierung zu vermitteln. Hunde klären untereinander permanent solche Dinge: „Bleib da“, „Geh weg“, „Der Liegeplatz gehört gerade mir“ usw. Wenn wir das auf Menschen und Hunde übertragen, passiert etwas Magisches:
- Der Hund kann uns viel leichter folgen.
- Er muss nicht dauernd selbst Entscheidungen treffen.
- Und er merkt: „Ah, mein Mensch hat einen Plan. Läuft!“
Wir zeigen dem Hund also auf charmante Art, dass wir die Route planen und er die Reise genießen darf. Ein kurzes, körpersprachliches „Bitte einmal raus aus der Küche“ während du Futter zubereitest, wirkt schon Wunder. Kein Schimpfen – einfach klare, leise Raumführung. Nimmt der Hund sich hier zurück, tun wir dasselbe. Ist das Futter fertig, laden wir ihn wieder in unseren Raum ein.
Warum das alles so gut funktioniert
Räumliches Arbeiten ist super fair. Kein Druck, kein Gebrüll, kein „Dominanzgehampel“.
Es ist pure, hundgerecht verpackte Orientierung. Viele Hunde zeigen mit der Zeit weniger Hibbeligkeit, weniger Kontrollverhalten, mehr Gelassenheit und mehr Bereitschaft mit dem Menschen zusammenzuarbeiten.
Kleine Übungen, große Wirkung
Wenn du deinen Hund also zum Beispiel konsequent immer wieder körpersprachlich aus der Küche schickst, passiert nach einiger Zeit etwas Spannendes: Der Hund beginnt, das Muster zu verallgemeinern. Das heißt er erkennt: „Die Küche ist nicht mein Zuständigkeitsbereich“ und betritt sie mit der Zeit einfach nicht mehr. Das nennt man Generalisierung: Ein Verhalten wird nicht nur verstanden, sondern automatisch abrufbar, weil es im Hundehirn sauber verankert ist.
Wenn dein Junghund plötzlich rebelliert

photocredits: Jasmin Ziegler
Willkommen in der Pubertät!
Dein Welpe war bis gestern ein Vorzeigeschüler: folgsam, aufmerksam und einfach putzig. Aber plötzlich geht nix mehr!? Kommandos sind optional, der Rückruf haut überhaupt nicht mehr hin, und die Emotionen kochen über…Willkommen in der Pubertät! Nur keine Sorge: Das Chaos hat System! Im Kopf deines Hundes wird nämlich gerade kräftig umgebaut! Und was da genau passiert, erkläre ich dir kurz:
Die Amygdala – oder auch ‚Drama-Queen‘ des Gehirns
Die Amygdala ist das Zentrum für emotionale Bewertung. Während der Adoleszenz wächst sie und bewertet Situationen neu. Was gestern noch kein Problem war, ist heute plötzlich unheimlich. Ein flatterndes Tuch? Monster! Ein Jogger? Eindringling! Das führt zu stärkeren, emotionaleren Reaktionen – der perfekte Nährboden für Angst, Unsicherheit oder auch Aggression.
Großhirnrinde – Achtung, Baustelle!
Die Großhirnrinde, zuständig für planvolles Handeln und gespeicherte Erfahrungen, räumt während der Pubertät auf. Dabei werden viele Synapsen abgebaut, also Verbindungen zwischen Nervenzellen. Das erklärt, warum dein Hund plötzlich Dinge „vergisst“, die er längst konnte. Aber keine Panik: Die wichtigen Verbindungen bauen sich später wieder auf.
Präfrontaler Cortex – der Chef ist im Urlaub
Der präfrontale Cortex, der für bewusste Entscheidungen verantwortlich ist, reift erst später vollständig aus. Während der juvenilen Phase wird er sogar kleiner. Heißt: Die Amygdala (Emotion) hat das Steuer übernommen, während der Chef (Vernunft) auf Bildungsreise ist. Reize kommen rein, Gefühle reagieren sofort, Nachdenken ist optional. Klingt bekannt? Willkommen im Teenager- Hirn deines Hundes.
Cortisol – Stress auf Anschlag!
Der Cortisolspiegel ist in dieser Phase am höchsten. Das bedeutet: Stressreaktionen sind intensiver, die Nerven liegen schneller blank. Ein kleiner Reiz kann reichen, und dein Hund reagiert über. Auch hier: das ist keine Boshaftigkeit, sein Körper ist einfach im Dauer- Alarmmodus.
Dopamin – der Entdeckertrieb auf Hochtouren
Dopamin ist der Botenstoff für Belohnung und Motivation. In der Pubertät verändert sich die Rezeptorendichte und plötzlich wird das Belohnungssystem superempfindlich. Alles, was spannend, neu oder verboten ist, fühlt sich doppelt gut an. Jagen? Buddeln? Den Müll durchsuchen? Mega! Diese selbstbelohnenden Verhaltensweisen sind jetzt extrem attraktiv – und genau deshalb fällt es Hunden in dieser Phase so schwer, davon abzulassen.
Fazit – gebt euren Hunden bitte Zeit!
Dein Hund ist in dieser Phase kein Sturkopf, sondern mitten im Umbau seiner Steuerzentrale.
Die Amygdala macht Drama, der Cortex macht Urlaub und Dopamin sorgt für Entdeckerfreude. Was du jetzt brauchst: Geduld, klare Strukturen und ein bisschen Humor. Bleib ruhig, biete Sicherheit und sorge für kleine Erfolgserlebnisse! Manchmal macht es Sinn, nicht direkt an neu aufkommenden Problemen zu arbeiten, sondern sie einfach mal zu umgehen! Die Pubertät ist keine Katastrophe, sie ist Training fürs Leben!
Mehr Ruhe, weniger Welpenwahnsinn

photocredits: Jasmin Ziegler
Was dein Welpe in den ersten Wochen wirklich braucht:
Die ersten Wochen mit einem Welpen sind meistens aufregend und chaotisch. Als frischgebackener Welpenbesitzer will man natürlich alles richtig machen: Der/ die Kleine soll schnell alles kennenlernen, viele neue Hunde treffen, also möglichst „gut sozialisiert“ werden, und klar: die Oma, alle Nachbarn und der Postbote müssen unbedingt sofort mal streicheln.
Aber halt – bitte kurz durchatmen…denn: Weniger ist am Anfang wirklich mehr!
1. Zu viel Action killt die Bindung:
Sozialisierung heißt nicht, dass dein Welpe in den ersten Tagen alle Hunde der Nachbarschaft abklappern oder jede Alltagssituation live erleben muss. Im Gegenteil: Das ist purer Stress und eher kontraproduktiv! Dein Welpe muss erstmal ankommen. Er hat gerade seine Mama, Geschwister und sein gewohntes Umfeld verloren – du bist jetzt sein neues Rudel und seine Sicherheit! Spazierengehen ist in der ersten Zeit noch nicht wichtig, viel besser: schaut euch neue Dinge lieber erstmal mit Abstand und in ruhigem Rahmen gemeinsam an: ein Bus, ein Radfahrer, ein anderer Hund – alles kein Problem, solange dein Welpe das Ganze in Ruhe und gerne in Sicherheit auf deinem Arm beobachten darf. Kein Zwang, kein „Na los, geh hin!“ Einfach gemeinsam schauen und das Gefühl vermitteln: Alles easy, Kleiner.
2. Hands off, Hooman!
Ich weiß, die sind süß und man muss sie die ganze Zeit anglotzen. Aber: Dauerhafte Aufmerksamkeit, ständiges Ansprechen, Hochnehmen oder Antatschen kann schnell überfordern. Ein Welpe braucht Struktur, Pausen und Rückzug. Wer den ganzen Tag „on fire“ ist, überdreht irgendwann.
3. Denk lieber präventiv als reaktiv:
Viele Probleme entstehen, weil man zu spät reagiert. „Ach, das wird schon“ ist selten ein guter Trainingsplan. Überleg lieber vorher: Was kann ich vermeiden, bevor es passiert? Zum Beispiel: Türen sichern, Teppiche wegräumen, klare Pausen schaffen, Bögen um freilaufende Hunde machen etc. Je ruhiger und durchdachter du die ersten Wochen gestaltest, desto entspannter wird euer Alltag.
4. Recharge mode: ON!
Welpen schlafen bis zu 22 Stunden am Tag, und das ist keine Zeitverschwendung! Im Schlaf verarbeitet der kleine Körper alles Neue: Erlebnisse, Eindrücke, Emotionen. Wer nicht genug schläft, wird schnell unausgeglichen (und gerne auch mal frech!). Mach es deinem Welpen leicht, indem du einen geeigneten Rückzugsort und feste Pausen einrichtest.
Ruhe braucht einen Ort

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Deckentraining – und warum es ein echter Gamechanger ist:
Hand aufs Herz: Wer sich einen Welpen ins Haus holt, denkt zuerst an Dinge wie Stubenreinheit und Grundkommandos wie „Sitz“, aber sicher nicht an Deckentraining. Dabei ist genau das eine der besten Grundlagen, die man gleich von Anfang an aufbauen kann. Denn: Eine Decke ist nicht einfach nur ein Stück Stoff – sie wird zum Ruheort, Sicherheitsanker und Alltagshelfer.
Warum ich es jedem Welpenbesitzer ans Herz lege:
- Chill-Modus auf Knopfdruck:
Viele Welpen wissen noch nicht, wie man runterfährt. Eine gut auftrainierte Decke ist wie ein „Ruhe-Button“, ein „Safe Space“: Hier kann der Hund entspannen, egal was gerade los ist. - Ein fester Platz im Chaos:
Ob Besuch, Essenszeit oder tobende Kinder – die Decke gibt Struktur und Orientierung. Der Hund lernt: Hier gehöre ich hin. - Bye bye Nervverhalten:
Hunde, die ihre Decke lieben und gelernt haben dort zu bleiben, betteln weniger am Tisch und wuseln nicht ständig zwischen den Füßen herum. - Überall dabei:
Die Decke ist wie das mobile Zuhause des Hundes. Sie macht neue Orte sofort vertrauter. - Impulskontrolle deluxe:
Auf der Decke zu bleiben, auch wenn’s spannend wird, trainiert Geduld und Selbstbeherrschung – Skills, die man im Alltag immer braucht und die ein Hund erst lernen muss!
Fazit: Deckentraining klingt unspektakulär, ist aber eine echte Superpower im Alltag. Es bringt Ruhe in stürmische Welpenzeiten, gibt Struktur und verhindert Stresssituationen. Wer das Training von Anfang an kleinschrittig und konsequent aufbaut, erntet ein Hundeleben lang die Früchte.
Das Problem ist selten das Problem

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Gutes Hundetraining ist immer ganzheitlich
…denn ein Hund ist so viel mehr als nur ein „Empfänger“ für Kommandos. Natürlich ist es praktisch, wenn ein Hund zuverlässig „Sitz“, „Platz“ oder „Hier“ beherrscht. Doch wer seinen Hund wirklich versteht, weiß: Hunde sind hochsensible Lebewesen mit individuellen Bedürfnissen, Emotionen und Erfahrungen. Sie bringen ihre eigene Persönlichkeit, Geschichte und Lernweise mit. Ein nachhaltiges Training schaut deshalb nicht allein auf Gehorsam, sondern betrachtet das große Ganze. Dazu gehört:
Gesundheit: Ein Hund kann nur lernen, wenn er körperlich fit ist. Schmerzen oder Erkrankungen wirken sich direkt auf Verhalten und Lernbereitschaft aus.
Ernährung: Die richtige Fütterung beeinflusst Energie, Stimmung und Konzentrationsfähigkeit.
Ruhezeiten: Hunde brauchen viel Schlaf und Erholung, um Eindrücke zu verarbeiten und Stress abzubauen.
Bewegung: Artgerechte Bewegung fördert nicht nur Muskulatur und Ausdauer, sondern auch seelisches Gleichgewicht.
Mentale Auslastung: Nasenarbeit, Tricks oder Suchspiele sorgen für Zufriedenheit.
Tagesabläufe: Struktur und Routinen geben Sicherheit und Orientierung.
Beziehung zum Menschen: Vertrauen, Kommunikation und gegenseitiges Verständnis bilden die Basis für jede Form des Zusammenlebens.
Ganzheitliches Training bedeutet also, nicht nur am Verhalten des Hundes zu arbeiten, sondern sein gesamtes Wohlbefinden in den Mittelpunkt zu stellen. So entsteht eine echte Partnerschaft, in der beide Seiten wachsen können – und in der aus Kommandos echte Kommunikation wird.
Hunde mögen keine Überraschungen

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Warum Vorhersehbarkeit für Hunde so wichtig ist
Es gibt Hunde, die wirken nach außen wie kleine Abenteurer: Immer bereit, immer wach, immer irgendwo mittendrin. Und dann gibt es den Moment, in dem man merkt: Eigentlich finden die das alles gar nicht so cool, wie es aussieht. Denn während wir Menschen Abwechslung oft feiern, sind viele Hunde große Fans von Vorhersehbarkeit. Klingt erstmal unspektakulär, ist aber ziemlich entscheidend.
Struktur ist kein Spaßkiller
Für uns wirkt ein strukturierter Alltag manchmal langweilig. Für Hunde ist er aber mega wichtig! Wenn Dinge vorhersehbar sind, muss dein Hund nicht ständig überlegen: Was passiert jetzt? Was wird von mir erwartet? Muss ich reagieren? Er weiß es einfach. Und genau das sorgt für Sicherheit. Der Kopf wird ruhiger, weil nicht permanent alles neu eingeordnet werden muss. Dein Hund kann sich orientieren: an dir und an dem, was er kennt. Oder anders gesagt: Er darf „abgeben“.
Zu viele Entscheidungen? Bitte nicht.
Wir unterschätzen oft, wie stressig es für Hunde ist, ständig selbst entscheiden zu dürfen. Klar, ein bisschen Mitbestimmung ist völlig okay. Aber wenn ein Hund dauernd selbst klären muss, wie er auf Situationen reagiert, wann er was macht, wo er hingeht oder wie er mit Reizen umgeht, wird’s schnell anstrengend. Das ist dann nicht Freiheit, sondern Überforderung. Ein klarer Rahmen nimmt Druck raus. Dein Hund muss nicht alles regeln. Er darf sich darauf verlassen, dass du das übernimmst. Und ja, das finden die meisten ziemlich gut!
Erst die Bedürfnisse, dann der Rest
Was dabei oft vergessen wird: Struktur allein bringt nichts, wenn die Basics nicht stimmen.Und damit sind nicht nur die Spaziergänge gemeint, sondern ganz simpel: Essen, trinken, schlafen und sich lösen können. Dinge, die für uns selbstverständlich wirken, sind für deinen Hund existenziell. Und vor allem: Er ist darauf angewiesen, dass du sie im Blick hast. Wenn ein Hund merkt, dass sich zuverlässig um genau diese Grundbedürfnisse gekümmert wird, passiert etwas Tolles: Er wird sich entspannen. Weil er sich nicht selbst darum kümmern muss – weil er sich darauf verlassen kann, dass du das regelst. Und daraus entsteht Sicherheit.
Ankündigungen statt Überrumpelung
Noch ein Punkt, der oft unterschätzt wird: Kommunikation. Wenn du Dinge ankündigst – sei es das Anleinen, Richtungswechsel, Training oder auch einfach das Ende einer Situation – gibst du deinem Hund die Chance, sich darauf einzustellen. Das macht wirklich einen riesigen Unterschied! Denn plötzlich passiert nichts mehr einfach „über ihn drüber“. Es wird berechenbar. Verständlich. Fair. Und genau so entsteht Vertrauen.
Wiederholung ist nicht langweilig – sondern hilfreich
Viele Hunde lieben Rituale. Der gleiche Ablauf beim Spaziergang. Bestimmte Zeiten für Futter, Ruhe, Aktivität. Kleine Routinen, die sich immer wiederholen. Das heißt nicht, dass dein Alltag militärisch durchgetaktet sein muss. Aber ein gewisser roter Faden hilft enorm. Weil dein Hund sich daran orientieren kann, weil er weiß, wann er dran ist und wann nicht. Und weil er nicht ständig im Unklaren hängt.
Fazit: Klarheit schlägt Chaos
Am Ende geht es nicht darum, deinen Hund in ein starres System zu pressen. Sondern darum, ihm einen Rahmen zu geben, in dem er sich sicher fühlt. In dem er nicht alles selbst regeln muss. In dem er versteht, was passiert. Ein bisschen weniger „mal schauen, was wir heute machen“ und ein bisschen mehr „ich hab das im Griff“. Ein Hund, der weiß woran er ist, ist meistens deutlich entspannter als einer, der ständig raten muss.
Dein Hund hört nicht nur, was du sagst

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Verbunden bleiben – auch wenn es laut wird
Kennst du auch Situationen, in denen dein Hund plötzlich auf Durchzug schaltet? Alles um ihn herum ist zu viel – Stimmen, andere Hunde, neue Gerüche, fremde Geräusche. Dein Hund hört einfach nicht mehr zu.
Älva hat eine niedrige Reizschwelle, und wenn draußen viel los ist und ich innerlich unruhig bin, verliere ich sie komplett. Sie ist dann nicht mehr erreichbar, einfach raus aus der Verbindung.
Und doch zeigt sie mir damit etwas ganz Wichtiges: Unsere Hunde nehmen so viel mehr wahr, als wir denken. Sie lesen nicht nur die Umgebung, sondern auch uns: unsere Stimmung, unsere Atmung, unsere Körperspannung. Ihre Antennen sind so fein eingestellt, dass selbst kleine Veränderungen in unserer Energie sofort bei ihnen ankommen.
Hunde spiegeln unsere innere Verfassung. Wenn wir gestresst, hektisch oder ungeduldig sind, übertragen wir das direkt auf sie. Umgekehrt können Ruhe, Gelassenheit und Klarheit unser größtes Geschenk an sie sein: ein Anker in einer lauten und manchmal überfordernden Welt.
Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn wir zuerst bei uns selbst hinschauen. Im Gegenteil: Es ist der erste Schritt zu echter Verbindung. Denn innere Ruhe bedeutet nicht, dass draußen alles perfekt still ist – sondern dass wir trotz des Chaos bei uns bleiben. Genau dort entsteht der Raum, in dem unser Hund uns wieder finden kann.
Wie du in solchen Situationen die Verbindung wieder stärken kannst:
- Atme zuerst: Bevor du reagierst, nimm selbst einen tiefen Atemzug. Dein Hund spürt, wenn du dich sammelst, und das wirkt oft schon besser als jedes Kommando.
- Blickkontakt statt Lautstärke: Such seinen Blick, bevor du etwas sagst. Ein ruhiger Augenkontakt schafft Orientierung und Sicherheit.
- Langsamer werden: Reduziere dein Tempo, bewege dich bewusst. Je ruhiger du wirst, desto leichter findet dein Hund zu dir zurück.
- Berührung als Anker: Eine sanfte Hand auf der Schulter oder an der Brust kann mehr Verbindung schaffen als Worte – wenn sie aus der Ruhe kommt.
- Gemeinsames Stehenbleiben: Anhalten, durchatmen, die Umgebung gemeinsam wahrnehmen – kein Training, einfach nur Sein und Beobachten!
- Reize dosieren: Geh bewusst an Orte, wo ihr beide durchatmen könnt. Weniger Ablenkung, mehr Verbindung.
- Sprich leise, fühle laut: Dein Hund spürt deine Haltung, nicht deine Lautstärke. Sag weniger, sei mehr.
Konflikte gehören dazu

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Warum Entwicklung Reibung braucht
Viele Fähigkeiten, die wir uns für unsere Hunde wünschen, entstehen nicht durch permanente Harmonie. Impulskontrolle entsteht nicht dadurch, dass niemals Impulse auftauchen. Gelassenheit entsteht nicht dadurch, dass nie etwas Aufregendes passiert. Und Selbstregulation entwickelt sich nicht, indem wir jede unangenehme Emotion sofort beseitigen. Im Gegenteil!
Entwicklung findet oft genau dort statt, wo ein Hund lernt, eine gewisse Spannung auszuhalten und dabei die Erfahrung macht, dass nichts Schlimmes passiert. Dass ein Wunsch unerfüllt bleiben darf. Dass Frust nicht das Ende der Welt bedeutet. Dass Aufregung wieder abklingt. Und dass es jemanden gibt, der ihn durch solche Momente begleitet.
Genau deshalb sehe ich Konflikte nicht als Beziehungsbruch. Für mich sind sie Entwicklungsmomente. Kleine Gelegenheiten, bei denen ein Hund lernen kann, mit sich selbst, seinen Emotionen und den Grenzen seiner Umwelt umzugehen.
Natürlich bedeutet das nicht, Konflikte absichtlich zu provozieren. Es bedeutet auch nicht, hart oder konfrontativ zu werden. Aber es bedeutet, Spannungen nicht reflexartig aus dem Weg zu räumen, nur weil sie sich unangenehm anfühlen.
Führung heißt Verantwortung übernehmen
Vielleicht ist das einer der Begriffe, über den ich in den letzten Jahren am meisten nachgedacht habe: Führung. Denn Führung wird oft missverstanden. Die einen verbinden damit Kontrolle und Macht. Die anderen lehnen den Begriff komplett ab, weil er ihnen zu autoritär erscheint.
Für mich bedeutet Führung etwas deutlich Unspektakuläreres. Führung bedeutet, Verantwortung zu übernehmen.
Wenn mein Hund in einer Situation überfordert ist, übernehme ich Verantwortung. Wenn eine Entscheidung getroffen werden muss, übernehme ich Verantwortung. Wenn eine Grenze notwendig ist, übernehme ich Verantwortung. Nicht, weil ich stärker bin. Nicht, weil ich gewinnen möchte. Sondern weil genau das meinem Hund Sicherheit gibt.
Viele Hunde wirken deutlich entspannter, wenn sie nicht jede Situation selbst lösen müssen. Wenn sie sich darauf verlassen können, dass jemand den Überblick behält. Dass Regeln nachvollziehbar sind. Dass Entscheidungen nicht täglich neu verhandelt werden. Und dass ihr Mensch auch dann ruhig bleibt, wenn es kurz unbequem wird.
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Aufgabe einer guten Mensch-Hund-Beziehung. Nicht jede Spannung zu vermeiden, sondern gemeinsam durch sie hindurchzugehen.
Denn Sicherheit entsteht nicht dadurch, dass niemals Konflikte auftreten. Sicherheit entsteht dort, wo eine Beziehung Konflikte aushalten kann, ohne daran zu zerbrechen.
Sozialisierung ist kein Gruppensport

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Was bedeutet eigentlich Sozialisierung?
Hunde brauchen nicht 100 Hundekontakte! Auch nicht im Welpenalter. Vor allem nicht in sogenannten „Spielgruppen“, in denen womöglich acht fremde Junghunde gleichzeitig aufeinanderrennen, sich überrennen, raufen, ausrasten – während die Menschen am Rand stehen und denken: „Das ist gut für die Sozialisation.“ Ist es nicht. Und Spass für den Hund ist das meistens auch nicht.
Sozialisierung heißt nicht, dass Hunde jeden anderen Hund toll finden und begrüßen müssen. Sozialisierung heißt: Die Welt kennenlernen – sicher, in kleinen Dosen, mit Struktur und Verlässlichkeit, und gerne auf Distanz. Und: Den eigenen Menschen als wichtigste Bezugsperson verstehen. Aber was passiert stattdessen? Der Hund lernt: „Andere Hunde = aufregend. Andere Hunde = wichtiger als du.“ Und das tragen viele ein Leben lang mit sich rum. Dann wundert man sich, warum der Hund draußen nicht mehr ansprechbar ist, bei jedem Hund in die Leine springt, fiept, fixiert, bellt und sich nicht regulieren kann.
Kein Wunder! Er hat gelernt, dass sein ganzes soziales Leben sich um andere Hunde dreht. Nicht um dich. Dabei bist du das Rudel. Du solltest Sicherheit geben. Klarheit. Orientierung.
Ein, zwei stabile Hundekontakte reichen völlig – mehr braucht kein Hund, um sozial zu sein. Was sie aber alle brauchen: einen Menschen, der Verantwortung übernimmt und Grenzen setzt. Und das bringt uns zum Thema Leinenkontakt: Leinenkontakt ist keine höfliche Begrüßung, sondern ein sozialer Zwang! Zwei Hunde an der Leine, keine Ausweichmöglichkeiten, keine Distanz, keine natürliche Kommunikation – dafür Spannung auf der Leine und Menschen, die versuchen „locker zu bleiben“, während der Hund längst im Stress ist!
Leinenkontakt ist der schnellste Weg in Konflikte.
Und trotzdem begegnet man draußen ständig Leuten, die denken: „Ach, die wollen doch nur mal Hallo sagen.“ Nein! Wollen sie nicht immer. Und selbst wenn: Es ist nicht deine Entscheidung. Deshalb noch einmal, ganz klar: Siehst du einen angeleinten Hund, leine deinen bitte auch an. Und zwar frühzeitig – nicht erst, wenn ihr euch fast auf die Füße tretet. Vielleicht ist der andere Hund alt, krank, im Training, unsicher oder einfach nicht in Stimmung. Rücksicht ist keine Raketenwissenschaft!
Was unsere Hunde brauchen, ist keine permanente Reizüberflutung durch andere Hunde. Sondern das sichere Gefühl: „Mein Mensch regelt das.“
Nicht alles braucht ein Leckerli

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Warum Konditionierungen im Alltag helfen (können)
Manche Übungen im Training wirken vielleicht künstlich, aber genau diese kleinen Konditionierungen können uns im Alltag helfen. Sie geben dem Hund klare Signale, reduzieren Stress und machen Situationen berechenbarer. Richtig aufgebaut schaffen sie Orientierung und Sicherheit – und Sicherheit ist die Grundlage für alltagstaugliches Verhalten.
Gleichzeitig gilt: Konditionierungen sind Werkzeuge, keine Dauerlösung. Der Alltag ist kein permanenter Trainingsparcours!
Wozu das „Einparken“ sinnvoll ist
Das sogenannte Einparken ist mehr als nur eine nette Showeinlage: Es schafft Struktur, Orientierung und Nähe. Besonders bei unsicheren oder sehr aktiven Hunden kann diese Übung helfen, Fokus zu finden, zur Ruhe zu kommen oder schwierige Situationen besser zu meistern. Der Hund bekommt eine klare Aufgabe – und muss nicht selbst entscheiden, wie er mit einem Reiz umgeht. Wichtig ist jedoch: Einparken ersetzt keine innere Stabilität. Es unterstützt sie.
Warum „Handtouch“ mehr ist als nur ein Trick
Der Handtouch, also das gezielte Berühren der Hand mit der Hundenase, ist eine vielseitige Alltagshilfe. Er schafft Nähe, unterstützt den Rückruf, lenkt in schwierigen Momenten um und gibt Sicherheit, weil der Hund aktiv etwas tun kann. Gerade in Situationen, in denen man sanft umlenken oder aus der Aufregung herausführen möchte, ist der Handtouch ein wertvolles Werkzeug.
Aber auch hier gilt:
Wenn wir beginnen, jeden Blickkontakt einzufangen, ständig zu locken oder jeden Reiz aktiv umzubauen, entsteht schnell eine künstliche Trainingssituation. Der Hund lernt dann womöglich nicht, Reize auszuhalten – sondern nur, auf das nächste Signal zu warten.
Built for real life
Ein Hund, der im Alltag bestehen soll, braucht mehr als konditionierte Abläufe: Er braucht Regulation. Klare Struktur im Raum. Verlässliche Führung. Und die Erfahrung, dass nicht jede Situation aktiv bearbeitet werden muss.
Konditionierungen können helfen, wenn sie gezielt eingesetzt werden. Sie sind aber kontraproduktiv, wenn sie zur Dauerstrategie werden.
Manchmal besteht echtes Training darin, gemeinsam geradeaus zu gehen. Ohne Locken. Ohne Umlenken. Ohne Dauerkommentar. Built for real life bedeutet: Werkzeuge nutzen, wenn sie sinnvoll sind – aber den Alltag nicht künstlich kompliziert machen!
Dein Welpe braucht keine Party

photocredits: Jasmin Ziegler
Warum ich keine Welpenspielgruppen anbiete – und was ich stattdessen empfehle:
In der heutigen Hundewelt wird oft davon ausgegangen, dass Welpen möglichst viele Hundekontakte brauchen, um gut sozialisiert zu werden. Das klingt auf den ersten Blick sinnvoll, in der Praxis zeigt sich jedoch häufig das Gegenteil:
Viele Welpenspielgruppen sind problematisch…
- Überforderung statt Lernen: Zu viele Welpen auf engem Raum bedeuten oft Stress statt Spaß. Kommunikation wird in dem Fall nicht gelernt, sondern verlernt.
- Keine Regulation: Gleichaltrige Welpen können sich gegenseitig kaum Grenzen setzen. Es fehlt der soziale Korrekturmechanismus durch erfahrene Hunde.
- Mensch wird nebensächlich: Wer lernt, dass andere Hunde wichtiger sind als der Mensch, wird später draußen schwer ansprechbar sein.
Was Welpen wirklich brauchen:
- Ausgewählte Kontakte zu souveränen, erwachsenen Hunden, die freundlich und ruhig kommunizieren und dem Welpen zeigen, wie Hundeverhalten funktioniert.
- Einen Menschen, der als sicherer Sozialpartner vorangeht, Orientierung gibt, Vertrauen aufbaut und gemeinsam mit dem Hund die Welt entdeckt – in den ersten Wochen reicht Lernen durch Beobachten im sicheren Beisein des Besitzers völlig aus!
- Gezielte Erfahrungen statt Reizüberflutung: bewusst gewählte Begegnungen, mit denen der Welpe in Ruhe wachsen darf. Weniger ist mehr: Ein sicherer Kontakt ist wertvoller als fünf unklare. Gute Sozialisierung basiert nicht auf Quantität, sondern auf Qualität.
Wenn Welpengruppen gut geführt werden, können sie ebenfalls sinnvoll sein – unter bestimmten Bedingungen:
- Kleine, feste Gruppen von 4 bis 6 Welpen, damit genug Zeit für Fragen bleibt und der Überblick für die Trainer:innen gegeben ist.
- evtl. kurze Spielzeiten (max 2 Welpen in der Interaktion) nach Größe, Alter, Rasse, Spielverhalten oder Entwicklungsstand, um Überforderung zu vermeiden.
- Einbezug der Halter:innen: Vermittlung von Fachwissen, Beobachtung von Körpersprache und Anleitung im Umgang mit dem Welpen.
- Fokus auf Förderung von Ruhe und Entspannung, nicht aufs Welpenspiel!
Mein Ansatz: Ruhig. Individuell. Alltagsnah.
Statt hektischer Gruppenarbeit begleite ich dich und deinen Welpen im Einzeltraining. Hier steht die Bindung im Mittelpunkt, nicht die Reizüberflutung. Du lernst, wie du deinem Welpen echte Sicherheit gibst – durch Beziehung, Führung und durchdachte Sozialkontakte. Denn ein souveräner Hund braucht keine Hundemeute, sondern einen Menschen, auf den er sich verlassen kann!
Warum Körpersprache so wichtig ist

photocredits: Jasmin Ziegler
Dein Körper spricht zuerst
Körpersprache ist die Sprache, die Hunde am besten verstehen. Schon bevor wir ein Wort sagen, haben sie längst registriert, wie wir stehen, wohin wir schauen oder welche Stimmung wir ausstrahlen. Für Hunde sind Haltung, Blicke und Bewegungen oft eindeutiger und glaubwürdiger als jedes gesprochene Kommando.
Der Schlüssel: Bewusst wahrnehmen und einsetzen
Wer lernt, seine eigene Körpersprache gezielt einzusetzen, eröffnet eine neue Ebene der Verständigung. Hunde spiegeln nicht nur Signale, sondern auch unsere innere Haltung: Unsicherheit, Freude oder Anspannung – all das lesen sie in Sekunden.
Klare Signale schaffen Sicherheit
Ein aufrechter, ruhiger Stand kann mehr Sicherheit vermitteln als tausend Worte. Eine kleine Handbewegung oder ein gezielter Schritt ersetzt oft ganze Sätze. So wird Training zum echten Dialog: frei von Stress, getragen von Klarheit und Vertrauen.
Von Hunden lernen: Reaktion im richtigen Moment
Hunde reagieren unglaublich schnell auf Veränderungen. Wenn ein Hund sich nach einem Fehlverhalten sofort wieder korrekt verhält, ist der Druck weg – das Gespräch geht weiter, ohne Groll. Genau das sollten auch wir übernehmen: Lob oder Entspannung genauso unmittelbar geben wie eine Korrektur.
Warum Hunde Abstand feiern

photocredits: Jasmin Ziegler
Abstand, bitte! Warum Individualdistanz für Hunde so wichtig ist
Die Individualdistanz bei Hunden bezeichnet den persönlichen Raum, den ein Hund braucht, um sich sicher und wohlzufühlen. Wie groß dieser Raum ist, hängt von vielen Faktoren ab: Charakter, Erfahrungen, Tagesform und natürlich der Situation. Manche Hunde haben weniger Problem mit Nähe, andere möchten Fremden, ob Mensch oder Hund, lieber nicht zu nah auf die Pelle rücken.
Gerade in der städtischen Umgebung wird Individualdistanz zum Thema. Enge Gehwege, viele Menschen, Verkehrslärm und ständig Begegnungen auf kurzer Distanz – all das kann für Hunde eine echte Herausforderung sein. Wird ihre Distanz unterschritten, fühlen sie sich schnell bedrängt. Die Folgen können Stress, Unsicherheit oder sogar aggressives Verhalten sein.
Warum Abstand Gold wert ist
- Mehr Sicherheit: Ein Hund, der genug Raum hat, kann Situationen selbstbestimmt einschätzen und bleibt entspannter.
- Weniger Stress: Begegnungen mit anderen Hunden laufen ruhiger ab, wenn nicht sofort „Nase an Nase“ Kontakt erzwungen wird.
- Mehr Vertrauen: Wer die Bedürfnisse seines Hundes respektiert, stärkt die Bindung, der Hund merkt: „Mein Mensch passt auf mich auf.“
Kleine Alltags-Tipps für große Wirkung:
- Macht Bögen! Geht lieber mal einen Umweg oder wechselt die Straßenseite, wenn es zu eng wird. Eure Walnussbirnen werden es euch danken.
- Seid der Bodyguard eures Hundes! Nicht jeder Vierbeiner braucht Kontakt zu anderen, manchmal ist Abstand die freundlichste Lösung.
- Rückzugsorte schaffen. Zuhause wie unterwegs: Ein sicherer Platz (Decke, Körbchen, ruhige Ecke) ist Gold wert, wenn es mal zu viel wird.
- Überforderung vermeiden. Schritt für Schritt an Situationen heranführen, statt den Hund ins kalte Wasser zu werfen.
Kein Knopf auf ‘brav’

photocredits: Jasmin Ziegler
Erwartungen vs. Realität: Was Hunde wirklich leisten können
Letztens hab ich eine Szene erlebt, die mich ziemlich traurig gemacht hat: Ein älterer Herr band seine Hündin an einem Fallrohr fest – direkt an einer vielbefahrenen Straße, der Bürgersteig voller Menschen, überall Lärm und Hektik. Dann versuchte er, die Hündin in ein Sitz zu bringen, um sich anschließend in der nahegelegenen Dönerbude sein Abendessen zu holen. Doch die Hündin war völlig überfordert: sie wich aus, zeigte Beschwichtigungssignale und konnte sich inmitten all der Reize nicht auf die Aufforderung konzentrieren. Der Mann drängte weiter, versuchte das “Sitz” zu erzwingen. Nach einigem Hin und Her schnappte die Hündin schließlich nach ihm, woraufhin er ihr einen Klaps auf die Nase gab. In diesem Moment konnte ich nicht mehr zusehen und sprach ihn an.
Er erzählte mir, dass die Hündin erst zwei Tage zuvor aus dem Tierheim zu ihm gekommen war. Zwei Tage im neuen Zuhause, und schon sollte sie in einer der stressigsten Situationen mitten in der Stadt verlässlich gehorchen…?! Genau hier liegt das Problem:
Wir können von unseren Hunden nur das erwarten, was wir ihnen vorher kleinschrittig beigebracht haben!
…und zwar in einem Umfeld, in dem sie überhaupt in der Lage sind zu lernen (Reizarm!!!). Ein ‚Sitz‘ ist für uns Menschen eine vermeintlich einfache Übung. Für einen Hund bedeutet es jedoch, seinen Körper zu kontrollieren und gleichzeitig alle Reize der Umgebung auszublenden…und ist somit in einer lauten, vollen Innenstadt oftmals schlicht zu viel. Dazu kommt: Hunde nehmen ihre Umwelt viel intensiver wahr als wir. Geräusche, Gerüche, Bewegungen – all das prasselt ungefiltert auf sie ein. Ist der Stresspegel zu hoch, kann selbst das besttrainierte Tier bekannte Signale nicht mehr zuverlässig ausführen.
Die Lektion aus dieser Beobachtung ist eine einfache, aber sooo wichtig: Verlangt bitte nicht mehr von euren Hunden, als sie in diesem Moment leisten können. Training braucht Zeit, Geduld und kleine Schritte. Und manchmal ist das Beste, was wir tun können, unseren Hund einfach aus einer überfordernden Situation herauszunehmen, anstatt auf Gehorsam zu pochen.
Am Ende ist es unsere Verantwortung, realistisch zu bleiben und unserem Hund die Chance zu geben, in seinem Tempo zu lernen.